GolemDorfl der Golem kauerte im Lichtschein des Universums. Weit entfernt klang ihm dessen Rauschen und Raunen, gedämpft, unverwandt. Die WORTE in Dorfls Kopf umspannten den Horizont, türmten sich auf bis in den Himmel.

Und plötzlich sagte eine Stimme leise: „Du gehörst Dir selbst.“

„…Dir selbst.“ Die eisige Erkenntnis fuhr hinein in den umgebenden Wall, prallte als Echos daran ab, die hin und her rasten und immer lauter wurden, bis die kleine Welt zwischen den WORTEN ganz von ihrem gewaltigen Klang erfüllt war.

GOLEM BRAUCHT EINEN HERRN! Die Lettern der WORTE stemmten sich gegen die Welt dort draußen, doch die Echos umspülten sie, zerrten an ihnen wie ein Sandsturm. Risse taten sich auf, liefen im Zickzack über den Fels, und dann –

Explodierten die WORTE.

Gigantische Brocken, so groß wie Berge, krachten hernieder in einem Schauer aus rotem Sand. Das Universum drängte herein und ergoß sich über Dorfl. Er fühlte, wie es ihn hochhob und umwarf und mit sich trug…und nun war der Golem inmitten des Universums. Er konnte es rings um sich spüren, sein Summen, seine Geschäftigkeit, seine unbändige Komplexität, sein mächtiges Tosen.

Keine WORTE standen mehr zwischen Dorfl und der Welt. Er war ein Teil von ihr, und sie war ein Teil von ihm, sein Eigen. Man konnte ihr nicht den Rücken kehren, denn sie war ja immer da, direkt vor einem. Man konnte nicht behaupten, „Ich musste es tun.“ Man konnte nicht klagen, „Das ist ungerecht!“ Niemand hörte zu. Es gab keine WORTE außer diesen: „Du gehörst Dir selbst.“

Schluss mit „Du sollst nicht“. Sag, „Ich WERDE nicht“.

Dorfl stürzte durch den roten Himmel und sah plötzlich eine dunkle Öffnung vor sich. Davon angezogen, trieb er ihr im Strom kosmischen Lichtes entgegen. Die Öffnung wurde größer und größer, füllte Dorfls Gesichtsfeld, schoss darüber hinaus…

Der Golem öffnete die Augen.
KEINEN HERRN!

(aus dem Roman ‚Feet of Clay‘ von Terry Pratchett. (c) 1996 Terry und Lyn Pratchett. Leicht gekürzt und aus spiritueller Sicht neu übersetzt von Jörg-M. Kändler.)