• Banzhaf, Hajo: Tarot und der Lebensweg des Menschen. — Der inzwischen leider verstorbene Hajo Banzhaf – studierter Philosoph, erfolgreicher Bankkaufmann und schließlich Experte für Tarot und Astrologie – ist ein Paradebeispiel für jemanden, der zu seinem Heiligen Traum, seiner ureigenen Lebensaufgabe findet und dann so richtig durchstartet. Was für ein Buch! Das allgemeinmenschliche Entwicklungsmuster der Heldenreise, dargestellt an den Großen Arkana des Rider-Waite-Tarots, dessen Bildsymbolik sich dabei als erstaunlich schlüssig und kohärent entpuppt. Banzhafs Werk ist eine wahre tour de force durch Mythologie, Ikonographie, Religions- und Kulturgeschichte. Grandios!
  • Blanton, Brad: Radical Honesty. How to Transform Your Life by Telling the Truth. — Tja, was soll ich sagen? Ich liebe Brad Blanton. Wenn ich eine Frau wäre, hätte ich gerne ein Kind von ihm. In diesem Buch geht es nicht um bloßes Nicht-Lügen, sondern darum, den eigenen Wesenskern nicht unter vorgefassten Konzepten zu begraben. Blanton ist promovierter Gestalttherapeut und Schüler von Fritz Perls, doch was er zu sagen hat, findet sich bereits bei Buddha und Laotse. Allerdings nicht die Art, wie er es sagt: „Wenn ich ‚Katholizismus‘ diagnostiziere, zahlt die Krankenversicherung nicht. Also schreibe ich eben ‚Angstneurose‘.“ (was freilich auch nicht gelogen ist!) Und mein ganz persönlicher Favorit: „Fuck politeness. Fuck diplomacy. Tell the truth.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
  • Cameron, Julia: Der Weg des Künstlers. — Miss Cameron ist u. a. Drehbuchautorin, Regisseurin, Schriftstellerin und die Ex-Frau von Martin Scorsese. In Der Weg des Künstlers gibt sie Techniken weiter, mit denen sie selbst ihre Alkoholsucht und eine üble Lebens- und Schaffenskrise überwunden hat. Das Wort „Weg“ im Titel ist synonym mit dem japanischen „Do“ zu verstehen, ähnlich dem „Weg des Kriegers“. Cameron interpretiert die künstlerische Existenz als eine spirituelle Reise – indem Künstler ihrer Bestimmung folgen, treten sie in Kommunion mit dem Göttlichen. Das Buch enthält großartige praktische Übungen zu Themen wie Selbstwirksamkeit oder Identitätsfindung, bestens geeignet, die sog. „Schattenkünstler“ aus ihrer kreativen Starre zu holen – vor allem durch die gezielte Entkoppelung von Produkt und Selbstwertgefühl. Künstler ist, wer sich künstlerisch betätigt. Der Rest kommt, im Guten wie im Schlechten, vom Universum.
  • Hamann, Brigitte: Die zwölf Archetypen.Tierkreiszeichen und Persönlichkeitsstruktur. — Eine detaillierte Persönlichkeitstypologie, basierend auf den zwölf Tierkreiszeichen. Schlüsselwörter und -sätze, mythischer Hintergrund, Entwicklungsaufgaben etc.. Ich bin eigentlich kein Anhänger der Astrologie, doch wie bei David Keirsey (siehe unten) gilt meiner Ansicht nach: Wer heilt, hat recht. Ich weiß auch nicht, warum’s stimmt, aber bei mir stimmt’s.
  • Keirsey, David und M. Bates: Versteh Mich Bitte. Charakter- und Temperamenttypen. — 16 Persönlichkeitskategorien, basierend auf der Typologie Carl Gustav Jungs und dem Myers-Briggs-Typenindikator. Laut Wikipedia weder „valid noch reliabel“, sondern „pseudowissenschaftlich“. Finde ich allerdings schnurz, solange es Menschen weiterhilft. Allein der Prozess der Typenfindung ist schon sehr gewinnbringend. Keirsey ist Empiriker und hat nie behauptet, 7 Milliarden Erdbewohner bündig in 16 Schubladen stecken zu können. Er hat als Psychologe nur auffällige Gemeinsamkeiten seiner Patienten festgehalten und vertritt die Auffassung, eine derartige Matrix sei ein Fortschritt gegenüber der gängigen Praxis, uns alle einfach über einen Kamm zu scheren.
  • Keirsey, David: Please Understand Me II. Temperament, Character, Intelligence. — Überarbeitete und erweiterte Fassung des vorigen Werks, ergänzt um eine Diskussion verschiedener Formen von Intelligenz. Jeder, der seine Kinder nicht aufgrund falscher Erwartungen verkorksen will, sollte dieses Buch lesen!
  • Retzer, Arnold: Miese Stimmung. Eine Streitschrift gegen positives Denken. — Der Arzt und Psychologe Arnold Retzer behauptet: Wir leben nicht, wie gemeinhin angenommen, in einer Angstgesellschaft, sondern in einer Gesellschaft der Angstvermeidung. Indem wir uns gegen das wirkliche Leben abschotten und dessen Risiken und Nebenwirkungen wie Angst, Irrtümer, Scheitern, Krankheit und Tod verdrängen, erzeugen wir genau das, was wir doch eigentlich vermeiden wollten – miese Stimmung. Obwohl Retzers Thesen sich durchaus mit denen diverser spiritueller Traditionen decken, verzichtet der Autor auf religiöse Anklänge (mit Ausnahme einer kurzen Zen-Parabel). Im umfangreichen Literaturverzeichnis findet sich weder Esoterik noch östliche Philosophie; hier schreibt ein westlicher Realist, der mit Blick auf unsere Kultur (einschließlich solcher Bereiche wie Medizin, Geschäftswelt u. ä.) ganz nüchtern folgert: Leute, so nicht, wir reiten tote Gäule – und schaden damit uns selbst und unserer Lebenswelt. Retzer propagiert die Konfrontation mit der Wirklichkeit, mit menschlicher Fehlbarkeit und Begrenztheit, sowie Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen. Damit ist er auf einer Linie mit seinem US-Kollegen Brad Blanton und dessen „Radical Honesty“-Prinzip (siehe oben) – obgleich Miese Stimmung sich eher als Gesellschaftskritik versteht denn als Leitfaden zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung. Dennoch: Wem Blanton zu amerikanisch und hemdsärmelig daherkommt (oder wer sich nicht mit Englisch herumplagen will), der findet in Arnold Retzers Buch einen brauchbaren und, im Kontrast zu Titel und Thema, sogar recht launigen Ersatz.
  • Sher, Barbara und B. Smith: Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will. — Barbara Shers Ansatz zur Selbstverwirklichung basiert auf zwei Grundannahmen: Erstens – niemand ist freiwillig erfolglos, und deshalb trägt auch niemand „Schuld“ am eigenen Misserfolg. Zweitens – die Umwandlung von Misserfolg in Erfolg bedarf einerseits der Entdeckung des einen, ureigenen Wegs jedes Menschen (wer bin ich und wohin will ich?) und anderseits einer Aufarbeitung der individuellen Vergangenheit (was hält mich zurück?). Als ersten Schritt unterteilt die Autorin ihr Zielpublikum in zwei Gruppen: sog. „Taucher“, die in einigen wenigen Bereichen zu Experten werden wollen, und die sog. „Scanner“, zu denen sie sich selbst zählt. Diese Zeitgenossen brauchen Abwechslung und Vielfalt – auf Kosten des Tiefgangs, der Kontinuität und oft auch der gesellschaftlichen Anerkennung. Sher und Smith liefern in diesem Buch wertvolle Tips für beide Kategorien, zu Themen wie Arbeitstechniken, Karriere etc.. Sher hat aber auch spezielle Ratgeber für Scanner geschrieben, die sie, aufgrund eigener Erfahrung, als Stiefkinder unserer Arbeitswelt sieht.
  • Thomson, Lenore: Personality Type: An Owner’s Manual. — Thomsons Buch ist eine Offenbarung, wenn David Keirsey (siehe oben) einen nicht mehr weiterbringt. Dessen Typologie ist statisch, und damit eine Abweichung von C. G. Jung; man ist halt, wer man ist. Individuation, Nachentwicklung von Versäumtem etc. – all das spielt bei Keirsey keine Rolle, was dem Ganzen ein gewisses fatalistisches Flair verleiht. Thomson dagegen argumentiert dynamisch, eröffnet dem Leser Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten – und vor allem argumentiert sie, wie Jung selbst, auf der Basis kognitiver Funktionen. Mit anderen Worten: die Identität eines Menschen ergibt sich im Laufe des Lebens aus einer Bevorzugung bestimmter geistiger Vorgänge vor anderen. Und obwohl einen dies zugleich für bestimmte Tätigkeiten prädestinieren mag, vermeidet es Thomson (im Gegensatz zu Keirsey), hierzu irgendwelche einengenden Prognosen abzugeben. Mit diesem Buch lassen sich daher auch Menschen zuordnen, die sich (z. B. aufgrund „typfremder“ Vorlieben) Keirseys Kategorien entziehen.
  • Worm, Nicolai: Syndrom X oder Ein Mammut auf den Teller! — Wir essen zuviel Zeug, für das unsere Körper nicht gemacht sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. präsentiert uns eine Ernährungspyramide, die längst durch wissenschaftliche Studien überholt ist. Insbesondere Getreide ist für Menschen kein artgerechtes Nahrungsmittel, sondern war ursprünglich eine Notlösung. Gut angepasst sind wir einstigen Jäger und Sammler dagegen an Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Früchte, Beeren, Nüsse und Kerne. Strikter Vegetarismus ist, zumindest gesundheitlich, Unfug. Körnerfresserei erst recht. Ach ja: und wenn man sich schlank joggen könnte, wären unsere frühen Vorfahren verhungert. (Ergänzend sehr zu empfehlen, aber leider nur noch begrenzt erhältlich: Udo Pollmer et al., Prost Mahlzeit. Krank durch gesunde Ernährung. Berücksichtigt den Standpunkt der Pflanze: Warum sich z. B. Getreide gegen uns zur Wehr setzt und Kernobst nicht – genial!)